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„Werte- und Kulturkonflikte in der Schule der Einwanderergesellschaft“ - Kreisweite Fortbildung stieß auf große Resonanz

Schule steht immer im permanenten Wandel, sei es durch den Reformeifer der Bildungspolitik oder im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen. Doch bestimmen gerade die Umbrüche in unserer Gesellschaft zunehmend das Tempo dieses Wandels und die damit verbundenen Herausforderungen für Schulleitung, Lehrkräfte, Schüler_innen und Eltern gleichermaßen. Globalisierung, digitale Innovationen, Flucht- und Migrationsbewegungen, selbst politischer Extremismus und der internationale Terrorismus machen vor den Schultüren nicht halt.

 

Dabei öffnen sich im Schulalltag viele Bildungschancen, aber es entstehen auch große Herausforderungen, auf die Schule immer wieder eine Antwort finden muss, um Schüler_innen einen möglichst festen Stand in dieser sich wandelnden Gesellschaft zu geben. Dabei spielt die Wertevermittlung eine zentrale Rolle. Diese Botschaft vermittelt Kurt Edler, Vorsitzender der Gesellschaft für Demokratiepädagogik, seit vielen Jahren im gesamten Bundesgebiet und mahnt in den Schulen eine „Grundgesetzklarheit“ in allen Bereichen der Schule an. So auch im Rahmen von zwei Fortbildungsveranstaltungen am Berufsbildungszentrum in Mölln und der Alfred-Nobel-Schule in Geesthacht, die auf Einladung des Vereins Miteinander leben e.V. und mit Unterstützung der „Demokratiepartnerschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg“ angeboten werden konnten.

 

Fortbildung Schule Einwanderergesellschaft Kopie

Kurt Edler, Vorsitzender der Gesellschaft für Demokratiepädagogik, diskutiert mit rund 60 Lehrkräften, Sozialpädago_innen und angehenden Erzieher_innen über „Werte- und Kulturkonflikte in der Schule der Einwanderergesellschaft“ im Berufsbildungszentrum in Mölln

 

Rund 80 Pädagog_innen, Sozialpädagog_innen, Schulsozialarbeiter_innen sowie angehende Erzieher_innen folgten den Ausführungen Kurt Edlers zur gesellschaftlichen Lage der Welt und den sich daraus ableitenden Bezügen für den schulischen Alltag, in dem sich zunehmend auch die ungelösten Probleme einer sich weiter politisierenden Erwachsenwelt widerspiegeln. Radikalisierungsprozesse, die auch im Klassenzimmer sichtbar werden, Extremismus, der dort seine Äußerungen finden, Ängste vor einer Welt, deren Veränderungen kaum mehr fassbar sind, sind längst Teil des Unterrichts geworden und fordern Schule heraus, auf Werte- und Kulturkonflikte zu reagieren. Edler skizzierte anhand zahlreicher Fallbeispiele aus seiner aktiven Zeit im Hamburger Schuldienst, auf, welche Konfliktlagen sich zeigen können.

 

IS-Symbolik auf Schüler_innensmartphones, rassistische Auseinandersetzungen auf dem Schulhof, extremistische oder religiös begründete Provokationen im Unterricht fordern die Lehrer_innen und Sozialarbeiter_innen zur Stellungnahme. Eine Stellungnahme, die, so Kurt Edler, nur aus einer eigenen Wertesicherheit erfolgen kann, die er mit dem Begriff der „Grundgesetzklarheit“ umschreibt. „Die Bearbeitung von Werte- und Kulturkonflikten im schulischen Alltag kann nur Gelingen, wenn wir dies „kleine Büchlein“, unser Grundgesetz, präsent und verinnerlicht haben als eigenen Wertekompass.“

 

Dies gelte, so Edler, nicht nur für die Unterrichtsbereiche, in denen Politik oder Religion eine Rolle spiele. Auch Kunst- oder Sportlehrer_innen können in solche Konfliktlagen geraten und müssen diese meistern können. Dabei muss Schule aber auch ihre Grenzen kennen und wissen, wann der pädagogische Rahmen überfordert ist. Öffentlich gezeigte IS-Symbolik auf dem Smartphone ist eine Straftat und damit auch ein Fall für die Sicherheitsbehörden. Hier müssen alle Beteiligten einschätzen können, wann dieser Weg zwingend einzuschlagen ist, ein Schritt, der sehr schwerfallen kann, gerade auch im Eingeständnis, pädagogisch nicht mehr weiter zu kommen. Doch Edler machte gerade im praktischen Teil seiner Ausführungen Mut, sich diesen Werte- und Konfliktlagen zu stellen und gab viele Anstöße für konkrete Lösungsmöglichkeiten, die von den Seminarteilnehmer_innen mit großem Interesse ausprobiert und aufgenommen wurden.


Als wichtiger Ansprechpartnerin gerade in diesem Kontext und gerade auch für Schulen und Jugendeinrichtungen stellte sich zudem die Beratungseinrichtung PROvention aus Kiel vor. PROvention ist das Landesprogramm gegen religiös begründeten Extremismus in Schleswig-Holstein. Es wurde im April 2015, finanziert vom Innenministerium des Landes und unter der Trägerschaft der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGSH), ins Leben gerufen. Das Team von PROvention berät Angehörige, Freund(e)_innen und Bekannte von Personen, die von Radikalisierung oder Extremismus betroffen sind. Auch Ausstiegswillige können die Beratung nutzen. Diese erfolgt kostenlos, vertraulich sowie einzelfall- und lösungsorientiert. Darüber hinaus werden öffentliche Vorträge und Weiterbildungen angeboten. PROvention ist über eine Beratungshotline zu erreichen unter 0431/ 73 94 926.